Ein Waldspaziergang mit Folgen


Der frischgebackene Tischlergeselle Kai Haseloff aus der Schorfheide gewann beim Wettbewerb “Die gute Form” den zweiten Platz auf Landesebene. Nun geht sein Massivholzschreibtisch in die Serienproduktion.

Eine Haustür, so wie sein Vater Dirk und sein älterer Bruder Maik vor ihm, wollte Kai Haseloff nicht als Gesellenstück bauen – so viel war klar. Er dachte mehr an ein Möbelstück mit mehr Gestaltungsspielraum. Zunächst plante er eine Kommode für seine Eltern, doch sein Vater riet ihm, etwas für sich selbst zu konstruieren. Und was lag da näher als ein Schreibtisch, an dem er die Dateien für die CNC-Fräse schreiben könnte, die die Familientischlerei erst kurz vorher erworben hatte?

Die entscheidende Idee kam Kai Haseloff während eines Waldspazierganges. Er war gerade in der grenzlosen Natur seiner Heimat unterwegs, der Schorfheide nördlich von Berlin, als ihm auf einmal der bestimmte Winkel auffiel, in dem Äste sich gabeln. Das wären auch perfekte Schreibtischfüße, dachte er.

Das Gesellenstück geht in Serie

Es folgten 103 Stunden voller Hingabe, um den Tisch aus massiver Eiche zu vollenden. „Die Idee war, dieses schwere Material, leicht und elegant erscheinen zu lassen.“ Kai Haseloff hat dafür die Tischplatte schräg abgeflacht und auch sonst mit liebevollen handwerklichen Details versehen. So kommt der moderne Schreibtisch fast vollständig ohne Schrauben aus, die Verbindungen zwischen Füßen und Platte sind mit durchgestemmten Zapfen versehen. In den Schubkasten, der auf klassischen Holzleisten läuft und sich Push-To-Open öffnen lässt, ist sogar ein geheimes Fach integriert. „Anfangs hatte ich nicht damit gerechnet, dass er so gut ankommt“, erzählt der 20-Jährige. Doch als sich selbst Mitglieder der Prüfungskommission auf den Boden legten, um alle Details des Tisches zu begutachten, dämmerte ihm, dass er etwas besonderes geschaffen hatte.

Gesellenstück: Schreibtisch "Franz Friedrich"

Foto: Lea Ludwig

Seitdem hat der Tisch, der nach seinem Urururopa Franz Friedrich benannt ist, der das Familienunternehmen im Jahr 1859 gründete, für ordentlich Furore gesorgt. Haseloff gewann beim Wettbewerb „Die gute Form“ auf Landesebene den zweiten Preis und ist nun zum Bundeswettbewerb zugelassen. Sein Vater entschied zudem, aus dem Entwurf eine eigene kleine Möbelserie zu machen. Wer möchte, kann nun sowohl den Schreibtisch, als auch einen Esstisch, einen Wohnzimmertisch und eine Sitzbank im gleichen Design aus Massivholz bei der Tischlerei erwerben.

Jetzt folgt der Meister

Kai Haseloff, der in seiner Freizeit gern Schach spielt, erhielt durch seinen Erfolg eine Begabtenförderung. Damit will er nun einen Teil seiner Meisterausbildung finanzieren, die er im Januar in Berlin begonnen hat. Wenn er damit fertig ist, plant er in den Familienbetrieb zurückzukommen, um den Möbelbau, vor allem im Massivholzbereich weiter voranzutreiben. Zusammen mit seinem vier Jahre älteren Bruder Maik will er das Traditionsunternehmen fit für die Digitalisierung machen. „Mit dem Kauf der CNC-Fräse haben wir gute Voraussetzungen geschaffen, unsere über 160-jährige Geschichte auch in Zukunft erfolgreich weiterzuschreiben“, sagt der Groß Schönebecker.

Autor: Robert Iwanetz

Michael Thieme

Pressereferent Öffentlichkeitsarbeit

Telefon: 0335 5619 - 108
Telefax: 0335 56577 - 375

michael.thieme@hwk-ff.de