Überstunden und Mehrarbeit. Diese beiden Begriffe werden in der Rechtsprechung nicht einheitlich verwendet. Eine über die gesetzliche Normalarbeitszeit von acht Stunden werktäglich hinausgehende Arbeitszeit des Arbeitszeitgesetzes ist nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts eine Mehrarbeit. Überstunden liegen vor, wenn die betriebliche oder betriebsübliche Arbeitszeit überschritten wird.

Jugendliche dürfen nur bis zu acht Stunden täglich oder vierzig Stunden wöchentlich beschäftigt werden. Ausnahmen können durch die Tarifverträge oder Rechtsverordnungen zugelassen werden oder in einem Notfall geboten sein.

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Azubis und Mehrarbeit: Welche Ausnahmen gelten?

Es gibt jedoch Ausnahmen für besondere Fälle. Die Vorgaben aus dem Gesetz finden keine Anwendung auf die Beschäftigung Jugendlicher, wenn es sich um vorübergehende und unaufschiebbare Arbeiten in Notfällen handelt und die erwachsenen Beschäftigten nicht zur Verfügung stehen. Wird in diesen Fällen über die im Berufsausbildungsvertrag vereinbarte Arbeitszeit von acht Stunden hinaus Mehrarbeit geleistet, so ist sie durch entsprechende Verkürzung der Arbeitszeit innerhalb der folgenden drei Wochen auszugleichen.

Die Lehrlinge sind grundsätzlich nicht verpflichtet, die geforderten Überstunden zu leisten. Die im Ausbildungsvertrag vereinbarte Ausbildungsdauer und die tägliche und wöchentliche Ausbildungszeit reicht in der Regel dazu aus, die im betrieblichen Ausbildungsplan vorgegebene Lernziele zu vermitteln und sich die erforderlichen Fertigkeiten und Kenntnisse anzueignen.

Dementsprechend könnten die Überstunden nur dem Ausbildungszweck dienen. Das bedeutet, dass auch eine Ausbilderin, ein Ausbilder oder eine mit der Ausbildung beauftragte Person während dieser Zeit mit anwesend sein muss, um die längere Ausbildungszeit zu begleiten und zu überwachen. Diese muss natürlich berufs- und arbeitspädagogisch geeignet sein.

Die tägliche Ausbildungszeit bei Abschluss des Lehrvertrages zwischen der ausbildenden Firma und dem Lehrling genau geregelt, entsprechend geprüft sowie freigegeben und sollte daher nicht einseitig durch die Ausbildenden geändert werden. Die unberechtigten Überstundenforderungen können Lehrlinge zurückweisen. Eine Abmahnung oder Kündigung aus diesem Grund ist unwirksam. Nur bei einem Notfall, wie zum Beispiel bei einer Naturkatastrophe, müssen alle unbedingt erforderliche Überstunden leisten. Für Minderjährige gilt das nur, sofern die erwachsenen Beschäftigten nicht mehr ausreichen.

Ausnahme Feiertage

Eine weitere Ausnahme liegt vor, wenn in Verbindung mit einem Feiertag an Werktagen nicht gearbeitet wird, damit der Auszubildende eine längere zusammenhängende Freizeit erhält. Dann darf die ausfallende Arbeitszeit dieser Werktage auf die Werktage von fünf zusammenhängenden, die Ausfalltage einschließenden Wochen, nur dergestalt verteilt werden, dass die Wochenarbeitszeit im Durchschnitt dieser fünf Wochen vierzig Stunden nicht überschreitet. Die tägliche Arbeitszeit darf hierbei aber 8,5 Stunden nicht überschreiten.

Nach dem Berufsbildungsgesetz müssen die Überstunden besonders vergütet oder durch entsprechende Freizeit ausgeglichen werden. Einen Überstundenzuschlag sieht das Gesetz nicht vor. Das Wort besonders ist so zu verstehen, dass die Überstunden gesondert beziehungsweise zusätzlich vergütet werden müssen. Sofern nicht in dem jeweiligen (Mantel-)Tarifvertrag Mehrarbeitszuschläge geregelt sind, ist daher für die Überstunden mindestens der normale Stundensatz zu zahlen. Die Ausbildenden können wählen, ob sie die Überstunden vergüten oder durch eine Freizeitgewährung ausgleichen wollen. Auch unzulässige Überstunden müssen vergütet werden.

Nach dem Arbeitszeitgesetz müssen die Ausbildenden über die tägliche Arbeitszeit von acht Stunden hinausgehende Arbeitszeit aufzeichnen. Die Aufzeichnungen müssen sie zwei Jahre verwahren. Verstöße hiergegen können mit einem Bußgeld von bis zu 15.000 Euro geahndet werden.

Bei Rückfragen hierzu wenden Sie sich gern an Ihre Ausbildungsberater!

Michaela Bergemann

Ausbildungsberaterin UM, BAR

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Gunnar Schulz

Ausbildungsberater Frankfurt (Oder)

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Bennet Zimmermann

Ausbildungsberater - MOL, LOS

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„Es ist eine gute Möglichkeit, Europa kennenzulernen“, so Uwe Hoppe (Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg), anlässlich der Europassübergabe Ende Juni 2018.

Eingeladen hatte die Mobilitätsberatung, ein Projekt der Berufsbildung der Handwerkskammer Frankfurt (Oder). Das Projekt bringt Jugendliche in der Ausbildung, innerhalb Europas, mit ausländischen Handwerksbetrieben zusammen. Projektleiter Mateusz Krzyzanowski nahm die geladenen Gäste mit auf eine Reise von Irland nach Frankreich und über Wien wieder nach Deutschland. Gleich vier Projektteile wurden vorgestellt.

Zuerst ging es mit Friseurlehrling Lisa Stäger nach Irland. Als Einzelentsendung verbrachte Sie ein vierwöchiges Auslandspraktikum bei einer Friseurkette in Dublin. Die erste Skepsis der Projektpartner in Irland, was eine mögliche Sprachbarriere in einem Beruf mit viel Kundenkontakt betrifft, konnte Lisa in einem Test ausräumen. 50 von 50 Punkten! Da gab es vor Ort keine Verständigungsprobleme. Neben der Arbeit im Salon, die sich doch sehr von der in Deutschland unterscheidet („Ich habe viel geföhnt …“) lernte sie viele Menschen anderer  Nationalitäten kennen. Es war eine tolle Erfahrung. Sie würde es jederzeit wieder machen.

Weiter ging es nach Albi in Frankreich, wo 11 Jugendliche ein zweiwöchiges Praktikum als Gruppe erleben konnten. Ergänzend zur Fotoschau vom Praktikum, berichteten die Jugendlichen von ihren Erfahrungen vor Ort. Die Uhren ticken in Frankreich anders, da waren Sie sich einig. Es ist alles etwas entspannter. Trotz fehlender Sprachkenntnisse konnten sie sich ganz gut in Englisch oder mit Hilfe von Übersetzungs-Apps in den Betrieben verständigen. Matthias Krüger, Geschäftsführer der MAKRÜ-Bau GmbH, berichtete aus Sicht eines entsendenden Betriebes über das Auslandspraktika seines Lehrlings Marc Jaster. Herr Krüger sieht diese Möglichkeit, Ausbildung innerhalb Europas kennenzulernen, auch als Mehrwert für den Betrieb. „Marc leistet gute Arbeit und wir hatten so die Gelegenheit, ihn weiter zu motivieren und ihm unsere Wertschätzung zu zeigen“. Darüber hinaus hat er jetzt Vergleichsmöglichkeiten zum Arbeitsalltag hier und im Ausland. Marc hat es in Albi sehr gut gefallen. „Der Weg zu Fuß am Freitag nach Feierabend von der Baustelle – mit einem herrlichen Blick auf Albi – wird mir noch lange in Erinnerung bleiben“, so Marc. Allen Teilnehmern hat es in Albi gut gefallen. Christopher Odoy, der jüngste Teilnehmer, hat sich bereits für ein weiteres Auslandspraktikum entschieden und sein Betrieb unterstützt ihn dabei.

Um auch den Ausbildern in den Handwerksbetrieben des Kammerbezirkes die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen im Ausland zu sammeln, wurde eine Ausbilderreise nach Wien organisiert. Fünf Ausbilder nutzten die Gelegenheit, das Ausbildungssystem in Österreich kennenzulernen. Es ging unter anderem um Themen wie Qualitätssicherung und Internationalisierung in der Ausbildung. Neben einem Besuch der Wirtschaftskammer wurden auch Betriebe und eine Berufsschule mit Ausbildungszentrum besucht. Reiner Pilgermann von der Firma PRODIMEX Handels- und Servicegesellschaft mbH berichtete von seinen Eindrücken: „Auch Österreich hat Nachwuchssorgen im Handwerk. Die Auszubildenden dort habe ich als sehr höflich empfunden“ und Uwe Körner von der HNE Eberswalde fügt an: „Neben der Schulpflicht gibt es in Österreich eine Ausbildungspflicht. Das finde ich gut und es sollte auch in Deutschland Schule machen.“  Der Anteil an Migranten in der Ausbildung ist auch in Österreich gestiegen, allerdings mit mehr Gemeinschaftsgefühl, so der Eindruck der Ausbilder.

Last but not least ging es wieder nach Deutschland, wo französische Jugendliche die Möglichkeit hatten, in deutsche Betriebe zu gehen. Sechs angehende Kfz-Mechatroniker, darunter zwei Mädchen, hatten die Chance, einige Tage in Autohäusern der Region in den Werkstätten zu arbeiten. Diethard Remmer, Mitarbeiter der Autohaus Bergland GmbH, ist heute noch ganz begeistert von der jungen Frau. Denise Chrissy wollte gleich loslegen. Die zierliche junge Frau hat sogar beim Räderwechsel mit angepackt. Der Betrieb hat ihr einen jungen Kollegen mit Englischkenntnissen an die Seite gestellt. In den Pausen hat sie viel von ihrer Arbeit in einer Multimarken-Werkstatt  in Frankreich berichtet. Das war für alle Kollegen spannend. Auch Karsten Bohlig, Geschäftsführer Honda Autohaus Bohlig GmbH, kann nur Gutes berichten. Antinéa Dumondin war sehr motiviert. Sie kommt aus einem Betrieb mit Akkordarbeit und musste sich erst an das angenehmere Tempo im Familienbetrieb gewöhnen. Auch sie packte beherzt mit an und verstand sich mit Vivian, der deutschen Auszubildenden im Autohaus sehr gut. „Schade, dass die Zeit recht kurz war“, so Karsten Bohlig. „Zwei Wochen wären besser. Wir nehmen jederzeit gern wieder einen ausländischen Praktikanten.“

Mateusz Krzyzanowski gab noch eine kurze Vorschau auf die künftig geplanten Angebote der Mobilitätsberatung. Höhepunkt der Veranstaltung war die anschließende Europassübergabe.  Die Teilnahmeurkunde erhielten alle Auszubildenden, die an einem Auslandspraktikum teilgenommen haben. Eine „Silberne Plakette“ wurde an Betriebe verliehen, die bereits an vier Projekten teilgenommen haben. Der Aufkleber kennzeichnet Betriebe nach außen mit der Botschaft „Auslandspraktikum. Wir machen´s möglich.“

Weitere Infos zum Projekt: https://www.azubi-ostbrandenburg.de/2016/07/05/mobilitaetsberatung/

Mateusz Krzyzanowski

Mobilitätsberater

Telefon: 0335 5619 - 169
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