„Très intéressant!“ – Französische Lehrlinge in Frankfurt


Immer mehr Lehrlinge und Ausbilder entdecken das Europäische Mobilitätsprogramm Erasmus +. Die Experten der Handwerkskammern helfen ihnen dabei. Seit 2014 haben 269 Lehrlinge aus sechs Ländern Praktika in den Berufsbildungszentren der Hwk absolviert. In den letzten fünf Jahren absolvierten 108 Lehrlinge aus dem Kammerbezirk Praktika in ausländischen Handwerksfirmen. Im gleichen Zeitraum waren 57 Lehrlinge aus dem Ausland in Ostbrandenburger Betrieben zu Gast. Mehr als 60 Ausbilder, Berufsschullehrer und Kammervertreter nutzten die Möglichkeit zum multinationalen Erfahrungsaustausch.

„Für mich war Frankreich eine tolle Erfahrung“, sagt Kfz-Mechatroniker Jan Bremer vom Car Check Point in Frankfurt (Oder). Als Lehrling hatte er am Europäischen Mobilitätsprogramm Erasmus+ teilgenommen. Das Programm fördert den länderübergreifenden Erfahrungsaustausch Auszubildender. Wer möchte, kann bis zu einem Viertel seiner Ausbildungszeit als Auslandspraktikum in einem EU-Land, der Schweiz, Norwegen oder Serbien absolvieren. „Die Hwk Frankfurt (Oder) organisiert Austausche in elf Staaten. Jan Bremer, heute Meister, betreut gern Auszubildende aus anderen Ländern. In diesem Jahr war es Aurelian Chabanne aus Montayral. Auch im Autohaus Minnich begrüßte man erneut einen französischen Lehrling. „Die Verständigung wird Dank digitaler Übersetzungstools immer einfacher“, findet Geselle Sebastian Rades. „Bitte den Kompressor wechseln“, tippt er in das Laptop und Maxime Kilic aus dem südwestfranzösischen Saubusse greift zum Schraubenschlüssel. „Hier hält man sich strikt an die vom Hersteller vorgegebenen Protokolle. Bei uns spielen Gefühl und Erfahrung eine größere Rolle“, resümiert er seine Erfahrung.

„In Frankreich wird Erasmus+ intensiver genutzt“

Während Maxime sich über den Motorraum eines Polizeiwagens beugt, schauen Jade Jasinski und Angelique Poisson gespannt auf Friseurmeisterin Susanne Brietzke. Die erklärt ihnen einen neuen Kopfhaarscanner. „Sowas hatten wir noch nie in der Hand.“ Jades Augen leuchten. „Toll, wie man damit genau zum Kopfhauttyp passende Produkte anbieten kann“, sagt Angelique. Und beide finden das Geschäftskonzept des Salons Maske & Schnitt „très intéressant!“ Friseurkunst, Kosmetik und Wellness an einem Ort, ohne dass es nach außen hin ein sichtbares Geschäft gibt? „So geht es also auch“, nehmen sie staunend in ihre Heimat mit. „In Frankreich wird das Erasmus+ intensiver als bei uns genutzt“, registriert Mateusz Krzyzanowski. Fabienne Boueilh von der Handwerkskammer in Mont-de-Marsan nickt: „Wir haben mehr Bewerber, als wir schicken können.“

Emma Pichereau lernt Floristin und kommt aus Tarbes im Pyrenäen-Vorland. Sie ist das erste Mal in Deutschland. „Zuerst hatte ich Angst. Aber das Team von Frau Büring bei Blumen Hettmann hat mich toll empfangen, mir so viele neue Techniken beigebracht. Auch Angela Büring fand, „dass Emma wirklich begeistert ist, von dem was sie tut. Ich hätte sie am liebsten dabehalten. Wir würden jederzeit wieder einen Erasmus-Austauschpraktikanten nehmen!“

„Auslandserfahrung bringt jeden Lehrling weiter“

Konditorlehrling Mathieau Cazetian ist es bereits das zweite Mal in Deutschland. Diesmal in der Bäckerei Baumgärtel. „Das Team hier hat mich total ernst genommen, wenn ich etwas gezeigt habe. Ich habe mich sehr gleichberechtigt gefühlt. Das ist in Frankreich nicht immer so. Voilá, ich kann mir sogar vorstellen, nach der Ausbildung in Deutschland zu arbeiten und empfehle jedem Lehrling: Erasmus bringt euch weiter!“ Das fanden auch der verschmitzte Hervé Hauspie und Jorys Rondeau. Beide lernten in der Bäckerei Jannusch nicht nur was Schusterjungen und Spritzkuchen sind. Und Meister Matthias Jannusch fand toll, „dass auch wir uns von den Jungs was abgucken konnten. Die arbeiten viel filigraner.“ „Jeder sollte so ein Erasmus-Projekt machen“, sagt Jorys „Es erweitert den Horizont, verbessert die Sprachkenntnisse und man gewinnt neue Freunde!“

Die Handwerkskammer möchte sich bei den an diesem Projekt teilnehmenden Handwerksbetrieben recht herzlich bedanken:

Autohaus Minnich an der Oder GmbH

Car Check Point, Inh. Sylvio Dieckmann

Maske & Schnitt, Inh. Susanne Brietzke

Dampfbäckerei Jannusch GmbH

Bäckerei- Konditorei Baumgärtel & Café Diana OHG

Blumen Hettmann

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